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Mentale Gesundheit im Herbst/Winter

Berufsbildungswerk St. Franziskus Abensberg
2025-11-11 11:55:00 / Blog / Kommentare 0

Wenn die Dunkelheit aufs Gemüt schlägt – Mentale Gesundheit im Herbst

Die Tage werden kürzer, das Licht seltener, die Stimmung schwerer. Für viele Menschen ist der Herbst eine Zeit, in der alles ein wenig langsamer wird – aber manchmal auch trüber. Der tägliche Weg zur Arbeit beginnt im Dunkeln und endet im Dunkeln. Manchmal hat man kaum noch Lust, rauszugehen. Stattdessen wächst das Bedürfnis, sich zu verkriechen, einzukuscheln – und manchmal auch, sich ein wenig zurückzuziehen.

Doch was tun, wenn aus Gemütlichkeit plötzlich Antriebslosigkeit wird? Darüber hat Alex Semmlinger aus der E-Commerce-Ausbildung mit Frau Popp gesprochen. Sie arbeitet seit fünf Jahren im psychologischen Fachdienst des B.B.W. Abensberg und weiß, wie sehr Licht und Stimmung zusammenhängen.

„Dass man im Herbst müder oder gereizter ist, ist erstmal ganz normal“, erklärt sie. „Der Körper muss sich an weniger Tageslicht gewöhnen. Dabei wird auch weniger Serotonin ausgeschüttet – das Hormon, das unsere Stimmung hebt.“ Die gute Nachricht: In den meisten Fällen pendelt sich das von allein wieder ein, sobald sich der Körper angepasst hat. Wenn die gedrückte Stimmung jedoch länger anhält, die Energie fehlt oder man sich über Wochen zu nichts aufraffen kann, sollte man das ernst nehmen. „Dann kann es helfen, sich Unterstützung zu holen – sei es bei uns im Fachdienst oder durch andere Beratungsangebote.“

Gegen den Herbstblues hilft Licht, Bewegung – und Gemeinschaft

Einer der größten Stolpersteine in dieser Zeit ist das Gefühl von Einsamkeit. „Unser innerer Schweinehund flüstert oft: Bleib einfach daheim“, sagt Frau Popp. „Aber gemeinsam etwas zu unternehmen – selbst wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist oder ein Filmabend – hilft, aus der Isolation herauszukommen.“

Sie betont, wie wichtig es ist, zwischen allein sein und einsam sein zu unterscheiden. Alleinsein kann wohltuend sein, Einsamkeit dagegen schmerzt. Als Freund*in kann es helfen einfach offen nachzufragen um gemeinsam entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten zu finden.

Auch Licht spielt eine große Rolle. Kerzen, Lichterketten können eine angenehme Atmosphäre schaffen und spezielle Tageslichtlampen können helfen, das fehlende Sonnenlicht zu ersetzen. „Bei uns im B.B.W. können solche Lampen sogar ausgeliehen werden“, erzählt sie. „Schon 20 Minuten am Morgen können, bei regelmäßiger Anwendung, einen spürbaren Unterschied bewirken.“

Kleine Rituale für die Seele

Frau Popp selbst liebt an der dunklen Jahreszeit das Gemütliche: Lichterketten, Serienabende, heiße Schokolade. „Ich dekoriere gern und mach es mir so schön, dass ich mich auf drinnen freuen kann“, sagt sie lächelnd. „Kleine Dinge wie Kuschelsocken, ein schöner Film oder eine Liste mit Dingen, auf die ich mich freue, machen viel aus, wenn es draußen ungemütlich wird. Dann wirkt die Dunkelheit plötzlich gar nicht mehr so düster.“

Auch Bewegung und Ernährung sind entscheidend für das seelische Gleichgewicht. Schon ein kurzer Spaziergang im Hellen kann Wunder wirken. „Bewegung, Ernährung und Mindset – das sind die drei goldenen Säulen der Self-Care“, fasst Frau Popp zusammen.

Über Gefühle zu sprechen ist Stärke

Trotz wachsender Offenheit bleibt das Thema mentale Gesundheit oft tabu – besonders unter Männern. „Viele Männer holen sich eher später Hilfe.“, erklärt Popp. „aber Stärke bedeutet nicht, alles allein zu schaffen. Stärke bedeutet, zu erkennen, wenn man Unterstützung braucht.“

Gerade im November, der unter dem Motto „Movember“ (Mentaler Gesundheitsmonat für Männer mit dem Ziel, Männer zu ermutigen offen über ihre Gesundheit zu sprechen.)  für mehr Bewusstsein rund um mentale Gesundheit steht, erinnert sie daran, dass es zahlreiche Wege gibt, Hilfe zu suchen – anonym über Chats oder persönlich über den Fachdienst. „Oft reicht ein kleiner Anstoß, ein erstes Gespräch, um wieder Licht ins Dunkel zu bringen.“

Ein bisschen Licht für jeden Tag

Frau Popp rät, sich die dunkle Jahreszeit aktiv schön zu machen: mit kleinen Projekten, kreativen Ideen oder einer persönlichen Herbst-Bucketlist. „Wer sich jeden Tag etwas Kleines vornimmt, worauf er sich freut, merkt schnell: Der Herbst hat auch seine schönen Seiten.“

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke für die kommenden Monate: Dunkelheit ist nicht immer etwas Schlechtes – manchmal ist sie einfach nur eine Einladung, es sich drinnen warm und hell zu machen.

Bucketlist Ideen

- Herbst-Photoshooting

- Weihnachtsmarkt besuchen

- Filmeabend mit heißer Schokolade/Tee

- Buch lesen

- Herbst/Winterplaylist erstellen

- Brettspielabend mit Freunden/Familien